Sonnenstrom für die Welt

Vor mehr als einhundert Jahren hat der graduierte Erfinder Frank Shuman 1913 das erste Parabolrinnenkraftwerk für Sonnenstrom, in Ägypten bei Maadi, installiert. Die Energie der Sonne wird über gewölbte Spiegel reflektiert und erhitzt eine Flüssigkeit in einer Röhre, auf die das konzentrierte Licht ausgerichtet ist. Mit dem erzeugten Dampf kann eine Turbine angetrieben werden, die Wärmeenergie in Elektrizität umwandelt. Das erste solarthermische Kraftwerk dieser Art hatte eine Leistung von 45 kW und hat eine Dampfmotorpumpe angetrieben, die zur Bewässerung für Baumwollfelder genutzt worden ist.

Seit 1913 hat sich hat sich nicht nur die Solarthermie (weiter-) entwickelt, sondern auch eine Vision, Sonnenstrom für die Welt, nutzbar zu machen. In ihrer Diplomarbeit hat Nadine May beschrieben, dass in den nordafrikanischen Ländern Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen und Ägypten, 3,49 Mio. km² Wüstenfläche effizient für solarthermische Kraftwerke genutzt werden könnte.

Der globale Strombedarf könnte theoretisch 54-mal über die Wüstenflächen der nordafrikanischen Länder gedeckt werden. Eine 254 km * 254 km große Fläche wäre ausreichend um den weltweiten Energiebedarf mit Solarthermie abgreifen zu können und 110 km * 110 km versorge Europa mit Strom. Eine 45 km * 45 km große Wüstenfläche würde den Energiebedarf für Deutschland liefern können.

Vor etwas mehr als zehn Jahren hat sich der 2017 verstorbene Physiker Gerhard Knies auf den Weg gemacht, um Mitstreiter für seine Vision, Sonnenstrom für Europa, anzuwerben. Mit dem Ziel 15% des europäischen Strombedarfs abtzudecken, sollten solarthermische Kraftwerke und auch Windkraftanlagen im Nahen Osten und in Nordafrika installiert werden.

Mit dem Club of Rome im Rücken, der sich als Urheber des Wüstenkonzepts versteht, konnte Gerhard Knies am 30.Oktober 2009 mit 13 Konzernen das Projekt Desertec ins Leben rufen. Nach einer Anfänglichen Aufbruchsstimmung, ist es bereits nach kurzer Zeit zu Unstimmigkeiten gekommen. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob der Strom in erster Linie an die Menschen vor Ort gehen sollte, damit der wachsende Energiebedarf in Nordafrika und dem Nahen Osten abgedeckt werden könne.

Der Club of Rome und andere Befürworter von Desertec haben sich 2013 aus dem Energie-Projekt für die Menschen aus Europa zurückgezogen. Die wissenschaftliche Vereinigung hat Unternehmen kritisiert, die sich augenscheinlich von den Lobbyinteressen der Energiekonzerne beeinflussen lassen. Das Projekt Desertec sollte günstigen und sauberen Strom zugunsten der Umwelt liefern und nicht zum Vorteil der Energiekonzerne ausgestaltet werden.

Die Führung von Desertec weist diese Vorwürfe zurück und hat bis 2019 in der MENA-Region mehr als 700 Solar- und Windprojekte installiert, die einige Millionen Menschen mit Energie versorgen. Es stellt sich nicht mehr die Frage, ob die derzeitigen Bemühungen zum Klimawandel ausreichen, um das Klima positiv zu beeinflussen. Mit der globalen Interessenlage und dem Tempo mit dem die sinnvolle Energiewende umgesetzt wird, kann die Energiefrage nicht positiv gelöst werden.

Sonnenstrom aus der Wüste könnte die gesamte Welt mit günstiger und sauberer Energie versorgen. Mit den Worten von Gerhard Knies: „Die Weltenergieversorgung umzustellen schaffen nicht Einzelne mit ein paar Solarzellen auf dem Balkon. Die großen Konzerne müssen mitziehen.“

 

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